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FIT FOR FUN „Wir die neuen Alten!“

Die uns geschenkten Jahre verbringen wir in immer besserem Zustand. Das ist die freudigste Nachricht, welche die techno-physiologische Revolution für die „Generation 60plus“ bereit hält. Etwas geschwollen (und nicht ganz unumstritten) reden die Fachleute von „Kompression der Morbidität“. Damit ist gemeint, dass die Zeit zwischen Hinfälligkeit und Tod immer kürzer wird. Je mehr und je später im Leben die Menschen mit künstlichen Knie- und Hüftgelenken, Zahnimplantaten und anderen Prothesen ausgerüstet werden, desto weniger pflegebedürftig sind sie. Künstliche Knie kriegen heute selbst über 70-Jährige Menschen: Das hält auf Trab.

FIT FOR FUN "Wir die neuen Alten!"

Hinzu kommt ein stetig gebessertes Bildungsniveau, das die Menschen auch geistig viel länger fit sein lässt. 79 Prozent der heute Sechzigjährigen nennen ihren Gesundheits- und Geisteszustand gut oder sehr gut. Das finden auch immer noch 74 Prozent der Siebzigjährigen. Vor 20 Jahren sortierten sich die vergleichbaren Jahrgänge um zehn Prozentpunkte schlechter ein.

Aus den Vereinigten Staaten werden Forschungen berichtet, wonach die Krankheitsanfälligkeit im Alter (Morbidität) doppelt so schnell zurückgeht wie die Sterblichkeit. Das bedeutet: Wir verschieben den Beginn von schweren Krankheiten und Behinderungen immer mehr ans Lebensende, und zwar doppelt so schnell, wie wir unseren Tod hinauszögern. Im utopischen Extremfall, meint der Yale-Mediziner James F. Fries, leben wir 125 Jahre pumperlgesund und zerfallen dann mehr oder weniger plötzlich ohne vorheriges Siechtum. „Die Kompression der Morbidität ist ein hohes soziales Gut und ein großes soziales Ziel“, sagt Fries.

Negative Schlagzeilen über das Alter beherrschen die Debatte

Komisch nur, dass all diese guten Nachrichten von den geschenkten Jahren die Öffentlichkeit bisher nicht erreicht haben. Im Gegenteil: Geballt negative Schlagzeilen über das Alter beherrschen die öffentliche Debatte. Wir wähnen uns in der permanenten Pflegegesellschaft, befürchten die kollektive Vereinsamung oder Demenz und zittern vor dem Krieg der Generationen, in dem die Jungen den Alten den Geldhahn abdrehen. „Hilflos im Alter“, war ein „Spiegel“-Titel jüngst überschrieben: Wenn eine immer größere Zahl älterer Menschen intensiver Pflege bedürfen, seien wir kaum noch der kommenden demografischen und gesellschaftlichen Herausforderung gewachsen, schrieb dort die Autorin Katja Thimm. Schon plant Gesundheitsministerin Kristina Schröder ein Gesetz zur Pflegezeit, vergleichbar der Elternzeit, wonach erwachsene Kinder eine berufliche Auszeit nehmen können, um ihre hilflosen Angehörigen zu betreuen.

Gewiss leugnet niemand, dass in einer Gesellschaft, in der bald ein Drittel der Bevölkerung über 60 Jahre alt ist, absolut gesehen auch viel mehr Menschen schwach und pflegebedürftig sind als früher. Doch es weisen alle empirischen Daten darauf hin, dass die Annahme falsch ist, steigende Lebenserwartung bedeute mehr Krankheit und Pflege.

FIT FOR FUN in der Seven's Corner Bar in Khon Kaen

Im Gegenteil: Die alternde Gesellschaft wird immer gesünder, der relative Anteil der pflegebedürftigen Jahre einer Person schrumpft. Aber die absolute Zahl der Jahre bleibt stabil oder wächst sogar aufgrund der höheren Anzahl der pflegebedürftigen Personen. „Und das ist, was ins Auge fällt“, sagt Altenforscherin Ursula Staudinger. Die Fernsehbilder aus den Pflegeheimen sind allgegenwärtig. Das verführt uns zu einem logischen Fehlschluss, wonach wir folgern, alt sein bedeute krank sein.

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Kommentare zu: "FIT FOR FUN „Wir die neuen Alten!“" (2)

  1. […] wenn irgendwann irgendwer mal etwas festgelegt hat und gar nicht gemerkt wird, dass heute 70jährige “anders” sind (Link zu: “Die neuen Alten”) als noch vor 30 Jahren 70jährige. Das hat Gründe die im […]

  2. […] wenn irgendwann irgendwer mal etwas festgelegt hat und gar nicht gemerkt wird, dass heute 70jährige “anders” sind (Link zu: “Die neuen Alten”) als noch vor 30 Jahren 70jährige. Das hat Gründe die im […]

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